Schamanenclown am Rande der Selbstauflösung
by Rudolf Eb.er (2000)
Druss war's. Die Kultur. Das ganze Angebot. Die Andere erst gar zum niedertrampeln. Draufspucken war's und weggehen.
Und zwar genau in Gegenrichtung, um sich eine Violine zu mieten. Eine Woch' drauf war's, 1985, als der - mit eb.er dieser
- sich auf der Bühne bot. Zwischen die Beine einer unreifen Sängerin. Die brunzte da diesem Drüssigen
während des unreifen Spiels ins Maul. Das war's, Rudolf Eb.er's erste öffentliche Arbeit als Fehlstartprinzip.
Die zweite - auch in Schweiz - wurde noch vor Beginn öffentlich-rechtlich vergast.
Worauf sich jene Kulturhüter hospitalisieren liessen. Oder mussten. Da die Extremsituation, im Gegensatz zur Violine
das eigentliche Instrument, von R&G bespielt. Die Violine war ja bloss Erkennungsmedium.
Als Blosslegung der schönen Künste. Begründet.
Schimpfluch gründete 1987. Erst als Eigenverlag. Erst als "Antimuzak"-Verlag für "Noch-Musik",
vielleicht die sich (noch) einem Instrumentarium bediente: Manipulierte Mikrophone und Lautsprecher, Magnetbaender, Filter,
Modulatoren und Nervenverstärkernadeln zu Zahnarztbohrmaschinen, Nägel zu Eier, Fenstern, Tierkadavern etc.
Schnecken zum Beispiel sind sehr schmackhaft, aber hospitalisiert wurden Bullen. Obwohl diese ja erwiesen weniger Hirnmasse tragen.
1988 erwies eine Eb.er'sche Komposition, benannt "Runzelstirn & Gurgelstock" auf einen Strukturwechsel hin,
welcher die nervenverstärkten Audiowerke nicht mehr durch experimentelle Tonerzeuger zu legitimieren versuchte,
sondern auf jede Legitimation schiss und direkt in den Scheiss reingriff. Aus Titel wurde Name. Brutal-humoroide Lebenssituation,
komponierte Extremsituationen, aufgeführte psycho-physikalische Gehirnblähungen.
Da ist keine Instant-Radikalität bei, sondern eine in sich gewachsene und blühende - die sich von der Darstellung und
Definition abgetrennt ihre Wurzeln ins Polymorph-Perverse greidolkt. Das Drama wird unleugbar zur Realität.
Statt Drama hat's da Träume; Und Virtualität statt Realität. Das ist nicht mein Teil meine Lieben.
Pfurzt. Scheisst. Kotzt doch endlich. In der eig'nen Pisse padeln. Das eig'ne Fleisch prügeln. Könnt euch ein Hobby d'raus machen.
Vielleicht ein Beruf. So verlogen dastehen und grunzen wie die Bullen vor der Schlachtbank. Schlacht und Bank - das ist gut.
Hobbies sind gut. Ja. Alles gut.
Dann also haben wir das; Und 1991 R&G einen Totalpunkt gesetzt, allerdings unter dem Namen "Institut für Psycho-Hygiene/Eb.er".
Dabei wurde der Selbstverkrüppelung zuvorkommend das 23ste Schimpfluchalbum bestätigt dies als das Tonband folgerichtiges Vermittlungsmedium
reiner Aktionsdokumentation und durchstrukturierter Studioarbeit zur abstrakten Komposition des Geschehnisses den Gehalt folgender Aktionen kotzt.
(Mittlerweile verboten). Zwischen den Gegenpolen der Arbeit im Studio und der öffentlichen ist also ein Brück' geschlagen und ein Weg geeb.ert
ohne deren Eigentlichkeiten zu verwursteln. Die Intention auf der Bühne eine Komposition durchzuführen stand niemals an -
das Tragende war stets und alleine die primitivste und elementare Durchführung bis eb.er hin zur Extremstsituation.
Diese hingegen fordert eine Artikulation des Audioauffangs um das Wesen der Aktion - nein, nicht zu erklären, sondern tonal zu verkörpern -
ihr Deppen. D'rum basiert ja das R&G'sche Cut-up Stenogramm weder auf Zufälligkeiten, Konzept oder Geschmack. Arschlöcher.
Im Gegensatz zu Euch würde die schockartige Konfrontation von Lärm und Stille R&G's so fortgepflanzt und weitergetrieben,
bis die Geräuschpartikel - im Gegensatz zu Euch - ihr Eigenleben entwickeln und so die Aktion nicht wiedergeben, sondern eb.er deren Wesen anfeuchten.
Soweit einen kurzen Abschiss der R&G / Schimpfluch Gesiechte.
1989 wies siech Joke Lanz bei Schimpfluch ein - und verzog (als) Sudden Infant.
Erweiternd entstand durch die Verknotung das (sieben-Jahre) Psychic Rally Radio Programm.
Zwischen 1991 und 1993, dem aktiven Trotz gegenüber Schubladengemeinden und Niederschlag aller Demokratisierungsversuche, der Mitglieder durch Ferkel-
und Äusserungen durch schweigende Mist- und Kotinstallationen ersetzte, weiterriechend durch die R&G Arbeiten "Die Läuse zerfressen mich...
Die Säue erbrechen sich", "Morx und Kotschlag", Dein Mund so rot... wie blut'ger Kot" - kam die eigentliche Wandlung vom Label
zur Aktionskommune.
Als Schimpfluch-Gruppe / R&G, bei der sich profund auch Dave Phillips beteiligt, entspann sich die schon früher von Eb.er proklamierte Einsicht
in die Wirklichkeit - nämlich das allen Pianisten die Arme abgehackt hören als sich das Spiel mit der Stirnplatte nicht nur auf Gehör,
sondern auch auf die Dauer des Stücks positiv auswirkt.
Teile Europas und Taiwans betourt... folgte die Abwanderung R&G's nach Asien.
In China die Erbrechspiele in Kollaboration mit hiesigen, traditionellen Operngruppen, auch Schamanistinnen und Hündinnen
1997 die grossangelegte Japantour bei der R&G, nicht nur aller technischen Probleme zuvorkommend, sondern Effektivität-in-sich-selbst prüfend
tote Fische verkabelte und zerdreschte, als auch als Schimpfluch-Gruppe in rammelvoller Museumshalle die Stirn auf Tischplatte schlug um sich dann
gründlich über dem Boden zu übergeben.
Diesen Ereignissen legte auch Masonna Hand an - mit Ergebnissen wie die 'Arschloch-Onna' Audioproduktion und Auftritten des Aktionistenduett Eb.ersonna.
Erschüttert wurde die Justiz eb.erum die R&G Aufführung 'Für Arschtrompete und Streichquartett': Das Arschloch eines unterbruchlos
schreienden Schulmädl's mit einem langen Abwasserschlauch koppelnd, versuchte Rudolf darauf Trompete zu spielen. Die allgemeine Missmut -
obschön der Untermalung eines professionellen Streichquintetts - umschlug zur Anbrüllung, Verprügelung und Bebrunzung jener Allgemeinheit,
mitsamt deren Inventar.
Die Flucht aus Tokyo geglückt folgten weitere psycho-physikalische Tests- und Trainungs wie 'Für Piano und Shotgun' in San Francisco
(wobei sich die Allgemeinheit diesmal selbst anpisste) oder - auf unerklärliche Einladung des Taipei-Designerforums hin -
die Entsendung seiner drei Ziegenböcke nach dort. Und mit eb.er deren Gelächter - und dem selben Schulmäd'l dazu -
'Für Mädchenhals und Säge' - zurück in Tokyo.
Zur Zeit sind Installationen - hauptsächlich aus Körperprothesen und Kadavern gewachsen - sowie Bildwerke, die von Eb.er's Studium der Hirnchirugie,
Geburtshilfe und Skatologie gezeichnet sind, in Tokyo und Osaka zu finden. Rudolf Eb.er selbst nicht, als er eb.er entweder im japanischen Gebirge pflügt und
züchtigt oder seinen Ziegen in Taiwans Wäldern schaut...
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